Long Range Wide Area Network

Willkommen in „Smartinfeld“

Von Katharina Lehmann · 2019

In einer thüringischen Gemeinde entsteht die Stadt der Zukunft. Das 600-Mann-kleine Martinfeld wird zum Testgebiet für Smart-City-Anwendungen. Hier kommen schon heute Sensoren und vernetzte Geräte zum Einsatz – künftig soll die ganze Gemeinde digital gesteuert werden.

Dorf in Deutschland, manche Häuser haben Solaranlagen auf dem Dach.
Auch ein Dorf kann zur Smart City werden. Foto: iStock/bruev

Straßenlaternen, die eigenständig defekte Glühbirnen melden, Abfalleimer, die mitteilen, wenn sie voll sind, und Straßenparkplätze, die selbstständig den Parkschein ausstellen – so stellt sich eine kleine Gemeinde im thüringischen Eichsfeld ihre Zukunft vor. Der 600 Einwohner starke Schimberger Ortsteil Martinfeld wird in den kommenden Jahren zu dem Ort mit der höchsten Dichte an IoT-Anwendungsfällen in ganz Deutschland. Technische Basis für die smarten Anwendungen ist das robuste Long Range Wide Area Network, kurz LoRaWAN. Das Netz ist in der Lage, Mess- und Sensordaten über sehr große Distanzen mit wenig Energieaufwand zu übertragen. 

Erster Schritt: smarte Straßenlampen

Der Aufbruch zur Smart City begann in Martinfeld im vergangenen Sommer mit der Modernisierung der Straßenlaternen. Exakt 98 davon gibt es in der kleinen Gemeinde. Sie verteilen sich auf 3,5 Kilometern und sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Ärger. Denn immer wieder gingen Glühbirnen kaputt – entdeckt wurden die Defekte aber erst in der Dunkelheit, wenn die Lampe nicht brannte. Bis dann die Gemeindeverwaltung informiert war und einen Techniker rausschicken konnte, verstrichen noch einmal einige Tage.

Im vergangenen Sommer wurden nun alle Laternen mit langhaltenden und energiesparenden LEDs ausgerüstet. Zudem erhielt jede Leuchte einen Sensor. Mit diesen können die Laternen separat überwacht und gesteuert werden. Geht eine Leuchte kaputt, werden Verantwortliche direkt per App informiert. So sind die Techniker deutlich schneller vor Ort. Außerdem steuern die Sensoren die Schaltzeit jeder einzelnen Straßenlaterne. Zu besonderen Ereignissen wie der Kirmes oder dem Stadtfest sind die Laternen nun länger in Betrieb, damit jeder sicher nach Hause kommt.  Günstiger wird es auch noch. Beliefen sich die Stromkosten bisher auf 6.600 Euro jährlich, sollen künftig nur noch etwa 3.000 Euro pro Jahr für den Betrieb anfallen. Investiert wurden dafür 50.000 Euro.

Long Range Wide Area Network: Martinfeld steht Modell

Doch damit nicht genug: In Martinfeld ist die schrittweise Umrüstung auf digitale Services geplant. So werden in den kommenden Jahren smarte Wasserzähler für private Haushalte ebenso erprobt wie öffentliche Abfallbehälter, die mithilfe von Sensoren überwacht werden. Dann brauchen Gemeindearbeiter die Behälter nur ausleeren, wenn sie voll sind; das Personal könnte effizienter eingesetzt werden. Gleichzeitig haben die Martinfelder Zugriff auf diverse Umweltinformationen. Messstationen erfassen bereits kontinuierlich Daten zur Luft- und Wasserqualität. 

Die regen Aktivitäten der Thüringer Digitalpioniere sind auch im Rest der Republik nicht unbemerkt geblieben. Martinfeld gilt heute als Modell-Standort für die smarte Stadt – hier werden Anwendungen ausprobiert, die bald in vielen deutschen Städten zum Einsatz kommen sollen. So wird aus Martinfeld in den kommenden Jahren Smartinfeld.

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