Smart Data

„Wir müssen Big Data zu Smart Data veredeln“

Von Katharina Lehmann · 2019

Porträt: Claudia Eckert
Claudia Eckert, Direktorin des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC)

Die Vernetzung im Internet of Things ist erst der Anfang; nun gilt es, aus den Daten nutzbringende Mehrwert-dienstleistungen zu formen, fordert Claudia Eckert, Direktorin des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) in Garching bei München und Direktorin des Fraunhofer Clusters of Excellence „Cognitive Internet Technologies“ (CCIT).

Wann kommt denn das IoT?

In vielen Bereichen ist es schon da. Die Marktforscher von Gartner haben schon vor einigen Jahren hochgerechnet, dass im Jahr 2020 rund 20 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein werden. Wahrscheinlich werden es sogar noch mehr – schließlich sind wir schon heute gerade im privaten Bereich wahnsinnig vernetzt. In anderen Bereichen wie der automatisierten Fertigung hängen wir dagegen noch etwas hinterher. 

Woran hapert es da?

Vor allem daran, dass viele Unternehmer sich um die Sicherheit ihrer Anlagen und Systeme sorgen. Wenn sie ganze Fabriken vernetzen und damit dem Internet zugänglich machen, ist Datensicherheit ein großes Thema: Wie können Unternehmen sicherstellen, dass Fremde nicht ihre Kunden- und Produktdaten oder ihre Geschäftsgeheimnisse abgreifen? Oder dass die Produktionsabläufe nicht von außen gestört werden? Das alles sind begründete Ängste – trotzdem können sich die Unternehmen nicht dauerhaft dem digitalen Wandel verschließen.

Weil ihnen damit Chancen entgehen?

Genau. Wer sich den neuen Technologien verschließt, wird auf lange Sicht vom Weltmarkt abgehängt. Vielmehr geht es darum, die Chancen, die IoT und Digitalisierung bieten, auch für das eigene Geschäft zu nutzen. Hier gilt es, die Daten zu sammeln, zu ordnen und vor allem auszuwerten, um daraus dann mehrwertige Dienste zu generieren. 

Wie könnten diese Dienste aussehen?

Da gibt es ganz unterschiedliche Visionen. Für die Logistik sind Verkehrs- und Wetterdaten in Echtzeit ausschlaggebend für die Routenplanung. Ist der Stau auf der Autobahn absehbar, können sie den Transport flexibel auf die Schiene umleiten. In der Produktion geht es darum, Defekte an Anlagen möglichst rasch – besser noch im Vorfeld – zu erkennen, um den Produktionsausfall so gering wie möglich zu halten. In der Medizin kann das IoT helfen, Patienten besser zu therapieren. In allen Bereichen geht es langfristig darum, aus den Daten Nutzbringendes zu generieren – und zwar für uns alle, nicht nur für einzelne Unternehmen. 

Die Fülle der Daten, die heute generiert werden, zu analysieren, ist ja nicht ganz einfach.

Noch streben wir danach, möglichst alle Daten, die wir erheben können, auch zu sammeln. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern. In Zukunft müssen wir Big Data zu Smart Data veredeln, also genau entscheiden, welche Daten wir überhaupt erheben, welche wir sammeln und auswerten. Dazu gehört auch, Rohdaten zu identifizieren, die wir niemals aus der Hand geben würden, weil sie hochsensibel sind. Und wir müssen aus der Vielzahl an Daten die richtigen Schlüsse ziehen, die richtigen Mehrwerte ableiten, die richtigen Lösungen und Dienstleistungen generieren. Und bei alldem müssen wir immer auf der Hut sein: Denn Daten sind auch manipulierbar.

Wie können wir uns davor schützen?

Indem wir uns zunächst bewusst machen, dass es Individuen gibt, die ein Interesse daran haben, Daten und Geräte für ihre Zwecke zu verändern. Und dann brauchen wir Qualitätsstandards für alle vernetzen Geräte und Sensoren, auf die wir uns verlassen können und mit denen wir die Hoheit über unsere Daten behalten.

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