Smart Factory

Firmen stecken in der IoT-Testphase

Von Katharina Lehmann · 2019

Wie wichtig digitale Geschäftsprozesse für die künftige Wettbewerbsfähigkeit sind, haben inzwischen alle Unternehmen begriffen. Umfassende Pilotprojekte laufen. Nun gilt es, diese in die Praxis zu überführen. Doch daran hapert es derzeit.

Arbeiter, der einen Maschinenarm über ein Tablet steuert im Gegenlicht.
Anlagen und Maschinen werden vernetzt, sodass sie auch aus der Ferne steuerbar sind. Foto: iStock/JIRAROJ_PRADITCHAROENKUL

Smarte Produktion als Schulfach – an der Gewerblichen und Hauswirtschaftlichen Schule in Horb wird das ab 2021 Realität. Dann lernen die Fachkräfte von morgen in einer Industrie-4.0-Lernfabrik. Bestehende Anlagen wie CNC-Fräs- und Drehmaschinen, Lasercutter, 3D-Drucker, Industrieroboter sowie das Equipment zur Werkzeugvoreinstellung und -verwaltung werden digital vernetzt. Dazu gibt es künftig einen Arbeitsplatz-Assistenten und ein fahrerloses Transportsystem. „Die Organisation der Fertigung ist flexibel und kann jederzeit erweitert oder verändert werden. Ebenso ist es möglich, weitere Technologien zu implementieren“, teilt die Schule mit. Denn schließlich stehe „man erst am Beginn der vierten industriellen Revolution“. 

Unternehmen geben digitaler Fertigung Priorität

Damit ist die Horber Schule weiter als so manches Unternehmen. Zwar bezweifelt niemand, dass die smarte Fabrik in Verbindung mit dem Industrial Internet of Things (IIoT) sehr viel effizienter, flexibler und kostengünstiger wird, weil Instandhaltungskosten und Ausfallzeiten reduziert und die Produktion gesteigert werden können. Doch an der praktischen Umsetzung hapert es noch. 

Das zeigt die Studie „Digital Manufacturing – escaping pilot purgatory“ der Beratungsgesellschaft McKinsey, für die 2018 rund 700 Manager in Deutschland, den USA, China, Japan, Indien, Frankreich und Brasilien befragt wurden. Gut zwei Drittel der Industrieunternehmen gaben an, die Umstellung auf eine digitale Produktion habe höchste Priorität. Deutschland liegt mit 69 Prozent im globalen Durchschnitt. Unternehmen in anderen Ländern – insbesondere in China (87 Prozent) und Indien (94 Prozent) – widmen dem Thema deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Dabei hat die Mehrheit der Firmen längst Pilotprojekte gestartet, um Erfahrungen mit der smarten Fabrik zu sammeln. Zur konkreten Anwendung kommt es allerdings selten. Den Betrieben gelingt es nicht, die Projekte nach der Testphase zügig in den Arbeitsalltag zu integrieren. So werden erst in 21 Prozent der deutschen Firmen die wichtigsten Industrie-4.0-Anwendungen wie digitales Performancemanagement, KI-basierte Nachfrageprognose oder 3D-Druck angewendet.

Die Smart Factory kommt

Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST, glaubt, dass sich das ändern wird. „Die vernetzte Fabrik wird sich entwickeln“, ist er sicher. Zwar schreite die Entwicklung nur stufenweise voran. Doch die Unternehmen seien sich bewusst, dass IoT ganz neue Geschäftsmodelle ermögliche. „Lange Zeit haben wir uns darauf fokussiert, Dinge zu verbinden und Fabriken zu vernetzen. Dabei ist es doch viel wichtiger, zu schauen, wie wir mithilfe der vernetzten Produktion immer komplexere und individuellere Produkte günstig herstellen können“, erklärt Otto. Er geht noch einen Schritt weiter: Bei den Produkten der Zukunft gehe es nicht mehr primär darum, rein haptische Dinge zu verkaufen. Den Wettbewerb werde künftig der für sich entscheiden, der die komplexen Bedürfnisse der Kunden am besten befriedigt und entsprechende Services zu den Produkten bereitstellt. Das heißt: Dank IoT mausern sich Hersteller mehr und mehr zu Dienstleistern.

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